Portrait Integrationskurs EK

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Am 15. Januar 2018 ist unser vom BAMF geförderter Zweitschriftlernerkurs in Kooperation mit der Erlöserkirche in der Birkenwaldstr. 26 (hinter dem Hauptbahnhof) gestartet. Lesen Sie hier einen Artikel, den der Pfarrer, Herr Maurer, für den Gemeindebrief der evangelischen Kirchengemeinden Nord über unseren Deutschkurs geschrieben hat.

Frau Daniela Balakchieva ist die Lehrkraft: sie stammt aus Bulgarien. Um sie herum ihre SchülerINNEN – sie besuchen seit Januar den Sprach- und Integrationskurs, den der Verein für internationale Jugendarbeit im Gemeindehaus Erlöser anbietet. Sie heißen: Hawraa; Malikadevi; Suhaila; Nurachmad; Faruk; Gazala; Mibrak; Mogos; Scharo und Mariam. An anderen Tagen ist die Gruppe noch etwas größer. Sie kommen aus Syrien, dem Irak, Afghanistan und Eritrea, aus Sri-Lanka und Somalia. Einige sind erst seit 5 Monaten im Land, eine Teilnehmerin schon 9 Jahre – bis auf eine Ausnahme sind alle „Zweitschriftlerner“, d.h. sie haben bereits eine Sprache in Schrift und Rede erlernt. Inhalte des Kurses sind das Alphabet, Buchstabieren ist im Moment wichtig. Lesen und Schreiben, Hören und Verstehen – Ziel ist, sich in der deutschen Sprache ausdrücken zu lernen und dadurch fähig zu werden, eine Arbeit annehmen zu können.

Als ich den Kurs besuche, ist es für die Meisten noch sehr schwer, zu verstehen, was ich gerne wissen möchte: Es ist alles noch sehr neu und die Kenntnisse beim Verstehen und Sprechen sind noch wenige. So beschäftigen sich die Antworten, die ich an diesem Morgen erhalte, mit einfachen, sehr elementaren Dingen.

Ich möchte wissen, was schwer ist: Viele meinen, dass die Zimmer, in denen sie untergebracht sind – ua im Bürgerhospital, in Feuerbach, auf dem Fasanenhof, in Cannstatt bzw. in Stammheim – sehr klein sind; in einem Fall lebt eine Familie von sechs Personen in zwei Zimmern! Das Hauptproblem im Blick auf die Wohnsituation ist aber das fehlende Angebot an Wohnraum. Aber auch das ist, alles in allem, nur ein Problem – gemeint ist, dass es weitaus mehr Gutes gibt, als Probleme.

Und was gefällt am Leben hier in Deutschland? U-Bahn und Busse; die freundlichen Menschen und die Gärten in der Stadt. Die Ordnung und die Regeln, die hier herrschen und beachtet werden. Dass kein Krieg herrscht und Frieden, und das das auch bedeutet: Es gibt Strom, Wasser und Heizung – auch das ist ja eine Art Sicherheit. Schließlich ist die Schule noch ein wichtiges Thema. Und schön, sagen die Schüler, ist die Pause, die Zigarette, die man dann rauchen kann – und Lesen können!

Was sie vermissen? Die Eltern, die Geschwister, die Kinder, die nun bei den Großeltern leben – oder die ganze Familie, die noch im Iran lebt.

Der Kurs wird noch für einige Zeit im Gemeindehaus stattfinden: Ich wünsche allen Freude am Lernen, vor allem aber Stolz auf den Erfolg!

jm

Pfarrer Jochen Maurer
Evangelische Kirchengemeinde Stuttgart Nord
Geschäftsführendes Pfarramt Erlöserkirche Pfarrer Jochen Maurer
Birkenwaldstr. 26
70191 Stuttgart