Interview mit einer FIZ-Klientin

Eine FIZ-Klientin erzählt von ihrem Weg zum FIZ...

Wer bist du? Wie würdest du dich in ein paar Worten selbst beschreiben?
Ich bin Mutter einer 6-Jährigen Tochter. Ich kam aus Nigeria nach Deutschland, um meinen Masterabschluss zu machen, und bin eine alleinerziehende Mutter, die sich vor kurzem von ihrem Mann getrennt hat.

Wie war dein Weg zum FIZ? Mit welchen Anliegen bist du ins FIZ gekommen?
Ich kam über das Jugendamt zum FIZ, wo wir uns zuvor als Familie vorgestellt hatten. Ich empfand meine Situation als große Belastung. Meine Ehe war schwierig, es gab viele Konflikte und mein Mann zeigte kein Verständnis für meine Situation, sondern setzte mich unter Druck, sprach schlecht über mich und ging nicht gut mit mir um. Gleichzeitig war ich in der Universität eingespannt und erst Mutter geworden. Ich hatte schon seit einiger Zeit Probleme wahrgenommen, diese aber lange versucht wegzuschieben, weil ich mich auf meinen Abschluss konzentrieren musste. Ich wusste auf der einen Seite, dass die Beziehung keine Zukunft hatte, aber ich hatte auf der anderen Seite sehr viel Angst, mich zu trennen. Ich kann gar nicht genau sagen, woher diese Ängste kamen, aber sie waren real. Da waren finanzielle Ängste, Ängste wie es mit meinem Aufenthalt weitergeht, da dieser bislang mit dem meines Mannes verknüpft gewesen war. Zudem empfand ich Scham. Ich komme aus einem Land, in dem viele Frauen lieber eine unglückliche Beziehung führen, als eine alleinerziehende Mutter zu sein. Die Leute werten dich ab, denn wenn eine Ehe nicht funktioniert, wird die Schuld der Frau zugesprochen. Wahrscheinlich spielte diese Prägung auch eine Rolle.

Konnte dir das FIZ dabei weiterhelfen?
Das FIZ half mir zu überlegen, wo ich gerade stehe, die Mitarbeiterinnen standen mir bei und halfen mir, meine Situation zu ordnen. Alles war einfacher. Ich fühlte mich unabhängiger von meinem Ex-Partner, weil ich zum Beispiel das Kindergeld für unsere Tochter und Unterstützung von der Agentur für Arbeit bekam. Meine Beraterin versicherte mir, was ich in mir drin wusste: Es gibt nichts, wovor ich Angst zu haben bräuchte! Das machte mir Mut! Zudem bekomme ich Unterstützung, wenn die Sprachbarriere im Alltag hinderlich ist, z.B. wenn es darum geht, mit Behörden Absprachen zu treffen, dann führe ich die Telefonate mit der FIZ-Mitarbeiterin gemeinsam.

Was würde anders sein, hättest du das FIZ nicht kennengelernt?
Wenn ich mit meinem Leben so weitergemacht hätte, wäre ich vielleicht krank oder sogar tot. Manchmal sterben Menschen und wir wissen nicht, welche Belastungen sie in ihrem Leben zu tragen hatten. Vielleicht wäre das auch bei mir der Fall gewesen. Ich bereue meine Entscheidung jedenfalls nicht. Ich glaube, ich habe das Richtige getan.

Was hat sich seither in deinem Leben verändert?
Meine Lebenssituation hat sich insofern verändert, dass ich mich von meinem Partner getrennt habe, zusammen mit meiner Tochter in einer Wohnung lebe und meinen Alltag meistere. Zudem kann ich meine Geschichte mit anderen teilen und vielleicht dadurch ermutigen, sich auch aus ungesunden Beziehungen zu lösen. Trotz der bereits gegangenen Schritte der Veränderungen weiß ich, dass ich immer noch viele Schritte gehen will. Die Scheidung soll beispielsweise bald offiziell werden, wovor ich mich etwas fürchte. Außerdem freue ich mich zum Beispiel darauf, bald einen Arbeitsplatz zu finden.

Was wünschst du Frauen mit auf den Weg geben, die in einer ähnlichen Situation sind wie du warst?
Ich wünsche Frauen den Mut, ungesunde Beziehungen zu verlassen!

Danke für das Teilen deiner Erfahrungen und die Offenheit in unserem Gespräch!

 

Interview vom Juni 2022